Niederschlagswasser aus dem städtischen Kanal entnehmen, aufbereiten und nutzen statt ableiten oder versickern - GSW-Siedlung Lankwitz

Hier kommt erstmals eine neues Verfahren der Regenwasserbewirtschaftung zur Anwendung.
Belastetes Niederschlagswasser - auch das von den Straßenabläufen- wird dem städtischen Kanal entnommen, aufbereitet und anschließend von ca. 200 Personen als hochwertiges Betriebswasser zur Toilettenspülung verwendet.

Die 1952/53 errichtete Kleinraumsiedlung wurde ab 1995 saniert und ergänzt. Durch Aufstockungen und Neubauten entstand ein nachverdichtetes Wohngebiet. Die gesamte Haustechnik wurde erneuert und unter anderem mit einer wassersparenden Sanitärtechnik ausgerüstet. Die vorhandene Schmutz- und Regenwasserkanalisation wurde beibehalten und neue Gebäude mit angeschlossen. Durch die starke Versiegelung und wegen der schlechten Versickerungsmöglichkeiten entschied man sich für ein neues Verfahren der Regenwasserbewirtschaftung.

Die im Sommer 1999 fertiggestellte Regenwassernutzungsanlage ist – vermutlich weltweit – die erste Regenwassernutzungsanlage, bei der bevorzugt die belasteten Niederschläge aus dem ersten Spülstoß aus einem öffentlichen Regenwasserkanal in einen privaten Regenwasserspeicher eingeleitet werden. Im Rahmen der Begleitforschung galt es herauszufinden, ob und wie Niederschlagswasser, welches auch die Straßenabwässer beinhaltet, zu einem hochwertigen Betriebswasser aufbereitet werden kann, ob eine Umweltentlastung durch diese neue Art der Regenwassernutzung zu erwarten ist und ob die Nutzung eine Alternative zur Versickerung ist.

Die positiven Untersuchungsergebnisse zeigen, dass  aus dem Einzugsgebiet dieser Anlage nur noch unbelastetes Niederschlagswasser in den nachgeschalteten Vorfluter gelangen kann. Ferner konnte gezeigt werden, dass auch Straßenabläufe relativ einfach zu einem hochwertigen Betriebswasser aufbereitet werden können. Im März 2000 wurde daraufhin das zweite Leitungsnetz durch Einfärben des Betriebswassers überprüft. Nachdem festgestellt wurde, dass keine Querverbindungen zum Trinkwassernetz bestehen, werden seit dem etwa 200 Mieter mit Betriebswasser für die Toilettenspülung und zur Freiflächenbewässerung versorgt.

Entwässerungstechnisch zeigt das Projekt, dass bei einer hohen Siedlungsdichte stets mehr Betriebswasser benötigt wird als an Niederschlagswasser zur Verfügung steht. Bei der Erschließungsplanung könnte durch die Betriebswassernutzung auf einen Regenwasserkanalanschluß verzichtet werden,

 

 

Betriebserfahrungen/Untersuchungsergebnisse

Betriebswasserbedarf ca. 3.450 m³/Jahr
Trinkwassereinsparung ca. 2.650 m³/Jahr
Deckung ca. 77 %
Energiebedarf 0,85 kWh/m³

Projektbeteiligte
Bauherr: GSW
Architekten: Baufrösche
Sanitärplanung: Sanitärsystemtechnik, Hr. Zeisel
Anlagenbau: Fa. Lokus
Begleitforschung: Erwin Nolde und Marco Schmidt (TU-Berlin)
Projektförderung: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Publikationen:
Die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat dieses Projekt durch eine umfangreiche wissenschaftliche Begleitforschung unterstützt, welche führend durch unser Büro unter Beteiligung der TUB durchgeführt wurde. Die Ergebnisse wurden in mehreren Veröffentlichungen publiziert.


AnhangGröße
fliessbild_luedeckestrasse_1.jpg67.24 KB
rainwater_utilisation_in_densely_populated_areas.pdf86.97 KB
regenwassernutzung_und_wirtschaftlichkeit.pdf634.8 KB