Der Grund­was­ser­spiegel fällt und der Meeres­was­ser­spiegel steigt – beides in drama­ti­schem Ausmaß

Kürz­lich mussten wir unsere Wander­pad­del­tour aufgeben, weil der Wasser­spiegel in den weniger als 100 km nörd­lich von Berlin entfernten Seen so weit gefallen war, dass die Wasser­straßen in alle Rich­tungen hin ausge­trocknet und damit unpas­sierbar waren.

Wasser­mangel in Bran­den­burg – Es war einmal ein See“ so die Über­schrift in der taz¹ vom 26.09.19. Es geht um den Seddinsee an der südöst­li­chen Stadt­grenze von Berlin. Der Berliner Tages­spie­gel² titelte einige Monate zuvor mit „Falsche Spar­sam­keit Berliner, verschwendet Wasser!“. Wer nun glaubt, dass es dazu heftige Kritik gegeben hätte, muss sich leider eines Besseren belehren lassen.

Die Berliner Wasser­be­triebe benö­tigen jähr­lich 305,2 GWh Strom³ , d.h. ca. 100 kWh pro Einwohner. Bezogen auf den eigenen Haus­halts­strom­be­darf von 750 kWh pro Person benö­tigen die BWB so viel Energie, wie eine Stadt mit mehr als 400.000 Einwoh­nern. Dabei wird das Abwasser hier noch nicht einmal soweit aufbe­reitet, dass man darin, ohne sofort krank zu werden, baden kann. Medi­ka­men­ten­rück­stände, die das Klär­werk passieren, schä­digen Flora und Fauna und werden zuneh­mend auch im Trink­wasser nach­ge­wiesen. Krank­heits­er­reger und Chemi­ka­lien zu entfernen, würde den Strom­ver­brauch noch­mals dras­tisch steigen lassen.

Mittels Regen­was­ser­nut­zung und Grau­was­ser­re­cy­cling lassen sich hingegen fast alle Quali­täts­an­for­de­rungen der Trink­was­ser­ver­ord­nung erfüllen. Über Grau­was­ser­re­cy­cling mit inte­grierter Wärme­rück­ge­win­nung werden zudem seit 2011 in einem Berliner Pilot­pro­jekt mit einem Strom­auf­wand von insge­samt 17 kWh pro Person und Jahr 35% Trink­wasser einge­spart und gleich­zeitig 100 kWh Wärme pro Person aus dem Grau­wasser gewonnen, die in die Warm­was­ser­be­rei­tung einge­speist werden. Die Erfolgs­story ließe sich weiter ausführen.

Regen­was­ser­nut­zung, Grau­was­ser­re­cy­cling mit Wärme­rück­ge­win­nung sind zeit­ge­mäße Antworten auf aktu­elle Energie- und Wasser­pro­bleme. Erste Regel­werke hierzu wurden bereits 1995 veröf­fent­licht.

Um ihren Profit zu sichern und zu stei­gern, tun Lobby­isten ihr Bestes, bewährte Tech­no­lo­gien zu verhin­dern, während viele Poli­tiker ihnen scheinbar gedanken- und verant­wor­tungslos folgen, anstatt Natur- und Umwelt­schutz sowie nied­rige Betriebs­kosten im Wohnungsbau zu erwirken.


¹ https://​taz​.de/​W​a​s​s​e​r​m​a​n​g​e​l​-​i​n​-​B​r​a​n​d​e​n​b​u​r​g​/​!​5​6​26488/
² https://​www​.tages​spiegel​.de/​b​e​r​l​i​n​/​f​a​l​s​c​h​e​-​s​p​a​r​s​a​m​k​e​i​t​-​b​e​r​l​i​n​e​r​-​v​e​r​s​c​h​w​e​n​d​e​t​-​w​a​s​s​e​r​/​2​1​1​7​0​0​7​2.html
³ https://www.bwb.de/de/assets/downloads/2018–11_nachhaltigkeitsbericht-bwb.pdf

Nach­zu­lesen im fbr-wasser­spiegel 4/19

Erwin Nolde
e.nolde@nolde-partner.de